Der Nächste bitte!

Fachtag zum Thema „ Eine gute medizinische Versorgung für Menschen mit geistiger Behinderung“

‚Schwarze Löcher‘, dieser Begriff aus der Astrophysik wird von Fachleuten auch für die medizinische Versorgungslage von erwachsenen Menschen mit Behinderung in Deutschland verwendet. Und das aus gutem Grund: Gibt es für Kinder über die sozialpädiatrischen Zentren noch ein gutes Versorgungsnetz, bricht dieses System komplett weg, wenn die Patienten erwachsen werden. Es fehlen Krankenhäuser, Ärzte und Therapeuten, die auf Patienten mit geistiger und/ oder mehrfacher Behinderung eingestellt sind. Oft fehlt es einfach an Zeit und an Erfahrung im Umgang mit Patienten, die in der Kommunikation eingeschränkt sind, Wahrnehmungsstörungen oder Verhaltensbesonderheiten haben.
Um auf diesen Notstand aufmerksam zu machen aber auch um gute Beispiele vorzustellen, die es in Deutschland bereits gibt, hat die Lebenshilfe Köln am 15.11. im Bürgerhaus Stollwerck den Fachtag „Der Nächste bitte!“ veranstaltet.


Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes

Ungefähr 100 Gäste waren gekommen, darunter Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen aber auch pädagogische und medizinische Fachleute und Vertreter aus Politik und Verwaltung.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Anke Stockdreher, stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe Köln, eröffnete Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes in Vertretung für Schirmherrn Oberbürgermeister Jürgen Roters die Veranstaltung. Sie betonte das große Interesse der Stadt Köln an den Ergebnissen des Tages. „Wir möchten wissen, welche strukturellen Änderungen und individuellen Hilfeleistungen nötig sind, um die Situation zu verbessern.“

 

Dipl. med. Hermann Jungnickel, leitender Arzt der Diakonischen Behindertenhilfe gGmbH in Lilienthal und Beiratsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Ärzte für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, hielt den ersten Vortrag des Tages zum Thema „Wieviel Gesundheit braucht der Mensch (mit Behinderung)?“ Er wies darauf hin, dass nach der Auflösung von Großeinrichtungen für Menschen mit Behinderung in Deutschland keine Anschlussstrukturen zur gemeindenahen medizinischen Versorgung dieser Patienten geschaffen wurden.
Sehr zu begrüßen sei es daher, dass der aktuelle Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD die Schaffung von medizinischen Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung und schweren Mehrfachbehinderungen analog zu den sozialpädiatrischen Zentren vorsieht. Bereits jetzt sollten die Kommunen beginnen, sich auf die Einrichtung solcher Zentren einzustellen und vorzubereiten.

Fachtag Gesundheit
 

Im weiteren Verlauf des Fachtags gab es zahlreiche Vorträge mit Austauschmöglichkeit zu konkreten medizinischen Themen: „Erkennen von Schmerzen bei Menschen mit schweren Behinderungen“, „Menschen mit Behinderung im Krankenhaus“, „Zahnmedizinische Versorgung“, „Psychische Erkrankungen“, „alternative Therapieverfahren“ und „ambulanter Hospizdienst“.
Bei zahlreichen Mitmachangeboten wie Yoga, Musik, Klangschalenmassage und Singen konnten die Teilnehmer aber auch etwas für die eigene Gesundheit tun und entspannen. Auch das leckere Buffet, das der Integrationsbetrieb Buerger´z vorbereitet hatte, trug dazu bei, dass die Stimmung trotz des schwierigen Themas sehr gut war.

Für einen stimmungsvollen Ausklang der Veranstaltung sorgte Herzklopfen, der inklusive Chor der Lebenshilfe Köln.

Herzklopfen, Chor der Lebenshilfe Köln
 

Alles in allem ein gelungener Tag, der hoffentlich viele Tipps und Anregungen aber auch Denkanstöße geben konnte.

Wir danken der PSD Bank Köln eG, die mit ihrer Spende in Höhe von 7.500 Euro diesen Fachtag ermöglicht hat.


Einige Referenten haben zugesagt, uns ihre Vorträge zur Verfügung zu stellen, damit wir sie auf unsere Homepage stellen können. Wir stellen die Vorträge ein, sobald sie uns zugehen.


Dr. Jörg Stockmann, leitender Abteilungsarzt am Zentrum für Behindertenmedizin Mara gGmbH, ev. Krankenhaus Bielefeld und Beiratsmitglied der Arbeitsgemeinschaft ‚Ärzte für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung‘

Erkennen von Schmerzen bei Menschen mit schwerer Behinderung

Menschen mit geistiger Behinderung im Krankenhaus


Dipl. med. Hermann Jungnickel, leitender Arzt der Diakonischen Behindertenhilfe gGmbH in Lilienthal und Beiratsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Ärzte für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung

Wieviel Gesundheit braucht der Mensch (mit Behinderung)?


Katharina Steger, Zahnärztin, Abteilung für Behindertenorientierte Zahnmedizin der Universität Witten-Herdecke

Zahngesundheit und -gesunderhaltung bei Patienten mit Behinderung

 
 
 
 
 
 

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