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Die "Golden Girls"

Die "Golden Girls"

In nächster Zeit möchten wir Ihnen hier Artikel aus unserem aktuellen Kontakte-Magazin vorstellen. Das vollständige Magazin finden Sie hier, auf Wunsch schicken wir Ihnen auch gerne ein Exemplar zu.

Im Alter noch einmal einen Neuanfang wagen? Diese vier Rentnerinnen haben es getan. Seit Herbst 2016 leben Frau Schumacher, Frau Thormann, Frau Möller und Frau Hegemann in einer von der Lebenshilfe Köln betreuten Wohngemeinschaft in der Netzestraße 3. Frau Hegemann lebte vorher allein in einem Apartment, die drei anderen seit vielen Jahren im benachbarten Wohnhaus der Lebenshilfe Köln. Hat sich der Umzug für die Damen gelohnt?

Die Wohngemeinschaft befindet sich im Erdgeschoss eines neu erbauten Mehrfamilienhauses. Die Gemeinschaftsflächen sind großzügig bemessen. Das ist wichtig, da alle Bewohnerinnen mittlerweile auf einen Rollator angewiesen sind.
Jede Bewohnerin hat ihr eigenes Zimmer mit Bad, das sie selbst individuell eingerichtet hat. An der Haustür hat jede Mieterin ein eigenes Namensschild und einen eigenen Briefkasten. Das gab und gibt es im benachbarten Wohnhaus nicht.

Auch sonst gibt es einige Unterschiede zum Leben im Wohnhaus. Der wichtigste ist sicherlich, dass zwei der WG Bewohnerinnen sich im Wohnhaus ein Zimmer mit einer anderen Frau geteilt haben. (AdR: Mittlerweile wurden auch dort alle Doppelzimmer abgebaut.) Daher genießen sie jetzt ihre Privatsphäre ganz besonders. Dazu gehört, dass die Zimmer nicht in Abwesenheit der Bewohnerinnen und auch sonst nur nach Aufforderung betreten werden.

Neben der Privatsphäre ist den vier Damen auch die Gemeinschaft sehr wichtig. Frau Hegemann, die nach dem Tod ihrer Mutter alleine in einem Apartment gelebt hat, sagt: „Das war fies, weil ich da alleine war. Eingesperrt. In der Gemeinschaft ist das viel besser, weil einer nach dem anderen guckt.“
Noch sind alle vier recht selbständig. Die körperlichen Einschränkungen, mit denen sie zunehmend zu kämpfen haben, ärgern sie aber. Frau Schumacher, die nach einem Sturz beim Duschen begleitet wird, sagt: „Ich habe einen Duschhocker und kann mich überall festhalten. Noch geht es alleine, ich bin ja kein kleines Kind, das man versorgen muss. Es muss aber jemand dabei sein zur Sicherheit.“

Golden Girls

Alle vier besuchen unter der Woche die sogenannte „Tagesstruktur“ im benachbarten Wohnhaus. Dort gibt es ein gemeinsames Frühstück, unterschiedliche Freizeitaktivitäten und ein gemeinsames Mittagessen. Gegen 14 Uhr kommen sie wieder nach Hause. Dann stehen noch Hausarbeiten auf dem Programm. Einkaufen, waschen, kochen, Zimmer aufräumen, diese Tätigkeiten erledigen die vier Damen mit Unterstützung selbst. Für die Reinigung der Gemeinschaftsräume und der Bäder kommt eine Reinigungskraft.
Um die Hausarbeiten und den Speiseplan zu organisieren und abzustimmen, finden zweimal in der Woche Gruppentreffen statt.

Am Wochenende müssen die Bewohnerinnen selbst dafür sorgen, dass eine warme Mahlzeit auf den Tisch kommt. Dabei erhalten sie die Unterstützung, die sie benötigen. „Ich koche schon gerne“, sagt Frau Thormann. „Alle können Vorschläge machen, dann stimmen wir ab, was wir essen wollen. Ich mag am liebsten Schnitzel mit Pommes Frites.“
Frau Schumacher erinnert sich, wie es vor dem Umzug war: „Im Wohnhaus haben wir nicht selbst gekocht, nur aufgewärmt, was die Ellen (Leitung der Hauswirtschaft, A. d. R.) vorgekocht hat. War aber immer sehr lecker!“

Insgesamt sind alle vier Damen sehr zufrieden mit ihrer neuen Wohnsituation. „Das Haus sieht gut und gepflegt aus. Nur die Terrasse ist zu klein“, fasst Frau Schumacher zusammen. Mehr Platz auf der Terrasse wäre schön, denn hier wird im Sommer gerne gegrillt. Dazu werden auch Gäste aus dem benachbarten Wohnhaus eingeladen.
Frau Thormann beschreibt die Entwicklung bei den Wohnangeboten für Menschen mit Behinderung so: „Heute sollen Behinderte so selbständig wie möglich leben. Früher hatten alle Doppelzimmer. Da gab es noch keine Einzelzimmer, die wie eine kleine Wohnung sind.“

Im Sommer fahren drei der vier Bewohnerinnen zusammen an die Nordsee. Sie haben dort ein großes Ferienhaus direkt an einem See gemietet. Frau Möller wird nicht dabei sein, sie fährt lieber in die Eifel. Gemeinschaft ja, aber ohne Zwang.

Text von Nina Pesch und Annette Lantiat. Erschienen im Kontakte Magazin 2018.

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